Zunftwiki

Zur traditionellen Zunftbekleidung gehören die folgenden Kleidungsstücke und Gegenstände:

– Die Zunfthose mit mindestens 65 cm Schlag. Die Schlaghosen decken die Schuhe ab und verhindern, dass Schmutz hinein gelangt.

– Der schwarze Hut ist ein wichtiges Utensil der Zunftkleidung. Es ist entweder ein Zylinder oder ein Schlapphut mit breiter Krempe. Der Hut ist ein Zeichen des freien Mannes und somit ein wesentlicher Teil der Zunftbekleidung.

– Das weiße kragenlose Hemd ist Teil der Zunftbekleidung und wird auch die Staude genannt.

– An der Zunftweste befinden sich acht Perlmuttknöpfe für die acht Arbeitsstunden des Tages.

– Die Zunftjacke wird vorne mit sechs Knöpfen geknöpft. Diese stehen für die sechs Arbeitstage der Woche. An den Ärmeln befinden sich außerdem je drei Knöpfe. Diese repräsentieren die drei Lehr- und Wanderjahre. Auch die Zunftjacke ist ein wichtiger Bestandteil der Zunftbekleidung.

– Die Wandergesellen tragen schwarze Schuhe oder Stiefel als Teil ihrer Zunftbekleidung.

– Der Ohrring zeigt einen fünfzackigen Stern und ist aus reinem Gold. Früher sorgte der Ohrring nach Tod des Wandergesellen für die Bezahlung seiner Beerdigung. Verhielt sich der Geselle ehrlos, wurde sein Ohrring ausgerissen und man bezeichnete ihn als Schlitzohr.

– Die Ehrbarkeit ist eine Strickkrawatte in der Farbe des jeweiligen Schachtes.

– Der Wanderstock der reisenden Gesellen wird auch als Stenz bezeichnet. Er ist mehr als nur eine Gehhilfe und wird für gesellschaftliche Rituale genutzt. So klopfen Wanderer beispielsweise mit ihrem Wanderstock zur Begrüßung dreimal auf den Boden. Jeder Stenz ist einzigartig, da er vom Gesellen selbst in der Natur gesucht werden muss. Der Wanderstock ist ein wichtiges Element der Zunftbekleidung.

– Der Charlottenburger, als Detail der Zunftbekleidung, ist ein gefaltetes Leinentuch. Der Wandergeselle trägt es an einem Lederriemen befestigt über der Schulter. Darin verstauen die Gesellen ihre Besitztümer während der Zeit der Wanderschaft. Kleidung, Werkzeug, Waschzeug und persönliche Gegenstände können in dem Leinentuch transportiert werden. Die Falttechnik des Tuches bringen sich die Gesellen gegenseitig bei.

– Auch die Zunftuhrkette gehört zur Zunftbekleidung. An ihr hängen die Stadt-Wappen der Städte in denen der Wandergeselle schon gearbeitet hat.

Im Wanderbuch des Gesellen werden wichtige Informationen wie der Name, seine Heimatstadt, sein Beruf und die Walzstationen aufgeschrieben.

Zunftbekleidung

Die Zunftbekleidung der Wandergesellen

Die Farbe der Bekleidung hängt vom jeweiligen Beruf ab. Für Steinberufe ist die Farbe der Zunftbekleidung zum Beispiel hell. Für Holzberufe ist die Zunftbekleidung schwarz. Früher konnte man an der Zunftbekleidung auch unterscheiden, ob es sich um Wandergesellen oder Gesindel handelte. Nicht nur stolze Handwerker wie Zimmerer, Dachdecker, Steinmetze, Tischler und Maurer können auf Wanderschaft gehen. Auch Schneider, Buchbinder, Töpfer und Goldschmiede gingen und gehen auch heute noch auf die Walz.

Die Regeln der Zunftbekleidung und Voraussetzungen für die Walz

Um auf die Walz gehen zu dürfen muss die Gesellenprüfung bestanden sein. Außerdem wird darauf geachtet, dass der wandernde Geselle ledig ist und darf keine Kinder hat. Er darf auch keine Schulden haben und nicht vorbestraft sein. Weiterhin gibt es für das Leben auf der Walz strikte Regeln. Der Geselle darf beispielsweise nur zu Fuß oder per Anhalter reisen. Er darf keine 50 Kilometer an seine Heimatstadt herankommen (den sogenannten Bannkreis nicht überschreiten) und seine Wanderung muss mindestens 3 Jahre und einen Tag andauern. Der Wandergeselle muss seine Zunftbekleidung tragen und sich im Beisein anderer Menschen immer zünftig und ehrbar verhalten. Das ist wichtig, um das gute Ansehen der Wandergesellen zu erhalten.

Meistens treten die Gesellen einem Schacht, das heißt einer Handwerkervereinigung, bei. Diese Schächte wahren die alten Traditionen und Bräuche und geben diese an die Wandergesellen weiter. Bekannte Schächte heißen beispielsweise die Rolandsbrüder, die Rechtschaffenden Fremden und der Fremden Freiheitsschacht. Es gibt allerdings auch Wandergesellen, die keinem Schacht beitreten möchten. Auch diese Gesellen gehen auf die Walz. Man bezeichnet sie als Wildreisende oder Freireisende. Auch sie halten sich aber meist noch an die alten und bewährten Traditionen der Wanderschaft. Damit ein Geselle auf der Walz auch eine Unterkunft und Verpflegung erhält, arbeitet er bei einem Handwerksmeister. Das Ende der Walz und somit die Rückkehr des Gesellen wird Einheimischmeldung genannt. Dazu muss er den sogenannten Bannkreis durchqueren (50km von zu Hause entfernt) und bis zu seinem Heimatort wandern, in dem er dann empfangen wird.

Die traditionelle Zunftkleidung

Damals und auch heute noch versteht man unter traditioneller Zunftbekleidung die robuste Arbeitskleidung der Handwerker. Zu diesen Berufsgruppen zählen Dachdecker, Tischler und Maurer. Haupteigenschaft der Zunftbekleidung war und ist der schwere und robuste Stoff der Bekleidung. Zunftbekleidung wird aus Trenkercord oder Zwirn-Doppel-Pilot hergestellt. Beide Materialien wiegen deutlich mehr 500 g/m². Zunfthosen besitzen zwei charakteristische Frontreißverschlüsse. Wann und warum die Hosen statt einem mit zwei Reißverschlüssen ausgestattet wurden ist nicht bekannt.

Die Dreidrahtkette

Cord war im 18. Jahrhundert der Stoff der reichen Bevölkerung. Nur reiche Adelige und Könige konnten sich den edlen Rippensamt leisten. Cord wurde damals meist aus reiner Seide gewebt. Statt schöner Kleidung brauchten die englischen Bergwerkarbeiter und die französischen Landarbeiter aber etwas Derberes und Handfestes als Arbeitsbekleidung. Daher entwickelten sie einen robusten Cordstoff. Mit dreifach gezwirnten Kettfäden, der sogenannten Dreidrahtkette, wurde der Stoff fast so reißfest wie eine richtige Kette. Das Material ist sehr robust und florfest.

Mit der Entwicklung des robusten Cords war die „Schutzbekleidung“ erfunden. Hosen aus diesem Material drücken Sicherheit und Mut aus: Die Matrosen, die sich bei Trafalgar schlugen, trugen sie ebenso wie die Arbeiter, die die Bastille in Paris erstürmten. Auch Luis Trenker, der berühmte Bergsteiger und „König der Berge“ trug bei seinen erfolgreichen Gipfelbesteigungen die robusten Cordhosen. Alle stolzen Hosenbesitzer erreichten ihre beschwerlichen Ziele. Der nachhaltige Erfolg des Dreidrahtcords ist daher kein Wunder. Das robuste und beliebte Material überdauert bis heute und die Wandergesellen wagen sich auch heute noch nur in Kleidungsstücken aus Cordstoffen auf ihre große Reise. Denn, welches Material könnte für aufregende Abenteuer und unvorhergesehene Ereignisse besser geeignet sein?

Das Deutschleder und seine Geschichte

Deutschleder ist robust und fest wie Leder und besteht doch nur aus reiner Baumwolle. Das Material ist in der Textilbranche schon lange bekannt. Es wurde zu den Zeiten der Industrialisierung entwickelt. In England wurde zunächst das Vorgängergewebe, das „english leather“ entwickelt. Dieses Gewebe sollte die Arbeiter vor Funkenflug an den Hochöfen schützen. Gleichzeitig sollte auf diese Weise auf die wesentlich teureren Rindslederschürzen verzichtet werden. In Deutschland wurde das Material stetig weiterentwickelt. Dabei kam ein besonders festes Gewebe mit einer hohen Dichte von Schussgarnen und starken Kettgarnen heraus. So entstand das heutige Deutschleder! Unverkennbar hierbei ist die angeraute Innenseite und die glatte, leicht glänzende Außenseite. Deutschleder ist sehr schwer und robust. Nur beim Waschen in der Waschmaschine muss man aufpassen: Das Material läuft zirka 4 Zentimeter in der Weite ein.

Die Schächte

Die Handwerker schlossen sich ab dem 12. Jahrhundert zusammen, um ihre Interessen besser vertreten zu können. In den Zunftordnungen regelten sie die Ausbildung und das Verhältnis zwischen Meister, Geselle und Lehrlingen. Die Zünfte erkämpften sich eine mächtige Stellung in der mittelalterlichen Gesellschaft. Für die Zünfte und das Handwerk war es eine aussichtsreiche Zeit.
Nach einiger Zeit kam es allerdings zu Schwierigkeiten und Problemen zwischen den Meistern und den Gesellen. Die Wandergesellen schlossen sich daraufhin zu ersten Gesellenverbindungen zusammen, um sich gegenseitig in der Ferne helfen zu können. Diese Verbindungen lösten sich von den Zünften und entwickelten sich zu den unterschiedlichen Schächten. Die Gesellen nutzten als Zeichen ihrer Schacht-Zugehörigkeit die Ehrbarkeit, eine besondere Strickkrawatte. Das war wichtig, da es oft schwere Streitigkeiten zwischen den Schächten gab. Seit Beginn an kümmern sich die Schächte um die Erhaltung der verschiedenen Traditionen und Bräuche. Heutzutage versuchen die Schächte, die traditionellen Wanderungen bei Handwerkern wieder beliebter zu machen.

Das Stofflexikon – Was ist was?

Sie lesen immer wieder die Begriffe Canvas, Zwirn Doppelpilot, Cordura, Trenkercord und Genuacord, können aber wenig damit anfangen? Hier erhalten Sie einen kleinen Überblick über die wichtigsten Stoffarten und ihre Verwendung:
Man unterscheidet als erstes zwischen glattem Stoff und Cordstoff. Bei glattem Stoff unterscheidet man dann noch zwischen Zwirn Doppel-Pilot, Rips-Moleskin, Deutschleder, Canvas und Cordura. Cord ist der traditionelle Stoff, aus dem Zunftbekleidung gefertigt wird. Bei Cordstoffen unterscheidet man zwischen Dreidraht-Cord, Genuacord und Trenkercord.

Dreidraht – Trenkercord schwerste und haltbarste Cordqualität
Extrem strapazierfähig, 3-fach gezwirnter Kettfaden
Materialzusammensetzung: 85% Baumwolle, 15% Polyester
Materialstärke: 600g/qm

Trenkercord – strapazierfähiger Cordstoff
Materialzusammensetzung: 85% Baumwolle, 15% Polyester
Materialstärke: 535g/qm

Deutschleder
Glatt gewebter Zwirndreidraht, innen angeraut, Satin-Atlas Gewebebindung
Materialzusammensetzung: 100% Baumwolle
Materialstärke: 600g/qm
Achtung: Kann bei falscher Wäsche stärker einlaufen

Zwirn-Doppel-Pilot
Glatt gewebt und robust, innen angeraut,
Materialzusammensetzung: reine Baumwolle, Satin-Atlas Gewebebindung
Materialstärke: 520g/qm
Bitte beachten Sie die Waschhinweise. Dieses Gewebe kann einlaufen bei falscher Wäsche

Zwirn-Doppel-Pilot
Glatt gewebter Stoff, Nano-Certex Technologie, wasser-, öl-, und schmutzabweisend
Materialzusammensetzung: 98% Baumwolle, 2% Elasthan
Materialstärke: 500g/qm

Genuacord 320 – leichter Cordstoff
Materialzusammensetzung: 85% Baumwolle, 15% Polyester
Materialstärke: 320g/qm

Genuacord 440, strapazierfähiger Cordstoff.
Materialzusammensetzung: 85% Baumwolle, 15% Polyester
Materialstärke: 440g/qm

Cordsamt (längselastisch)
Materialzusammensetzung: 71% Baumwolle, 10% Modal, 15% Polyamid, 4% Lycra
Materialstärke: 320g/qm
Achtung: dieses Material ist nicht so robust wie beispielsweise der Genuacord

Cordura
Siebenmal haltbarer als reine Baumwolle
Materialzusammensetzung: 53% Baumwolle, 47% Cordura,
mit Teflon imprägniert. So ist der Stoff schmutzunempfindlicher und wasserabweisend
Materialstärke: 260g/qm

Canvas, eine reißfeste und leichte „LongLife“ Qualität
Materialzusammensetzung: 65% Polyester, 35% Baumwolle
Materialstärke: 310g/qm

Camouflage, reißfeste und leichte Qualität
Materialzusammensetzung: 65% Polyester, 35% Baumwolle
Materialstärke: 310g/qm

Ripsmoleskin Glatt gewebter, reißfester und leichter Zwirnripsmoleskin
Materialzusammensetzung: 100% Baumwolle
Materialstärke: 310g/qm

Twill, eine extrem reißfeste, abriebfeste, haltbare und reine Baumwolle
Kaum Einlaufen
Materialzusammensetzung: 100% Baumwolle
Materialstärke: 375g/qm

Jeans ein extrem robuster Denim in trendigen Waschungen
Materialzusammensetzung: 100% Baumwolle
Materialstärke: 14,5oz